Neues vom RVR

Eine große Trauergemeinde hat auf dem Friedhof St. Christina Abschied genommen von Georg Wielath, der im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Auch die Mitglieder vom Radfahrer-Verein Ravensburg e.V. erwiesen ihrem Ehrenvorsitzenden die letzte Ehre. So wie sie trauern auch die Rutenfestfreunde um ihren „Schorsch“, der es sich humorbegabt nicht nehmen ließ, im Rutenfestzug in der Gruppe „Bürgertum im 19. Jahrhundert“ kostümiert wie einstmals der Freiherr Karl Friedrich von Drais auf einem hölzernen Laufrad mitzufahren.

In der Straßenradsport-Szene war Georg Wielath bekannt bis über Stuttgart hinaus. In seiner Jugend war er selbst Straßenrennen gefahren. 1952 war er in den Radfahrer-Verein Ravensburg eingetreten und hatte 1957 den Vorsitz übernommen, den er bis 1988 innehatte. Beruflich als Reisender für Textil viel unterwegs, als Rentner noch im Fachgeschäft Ellenstoffe aktiv, widmete er sich ehrenamtlich voll und ganz dem Verein, wobei ihm die Förderung des Nachwuchses besonders am Herzen lag. Im Verein lernte er auch seine Gretel kennen, die das Kunstrad-Training leitete und mit der er vier Kinder hatte. Mit ihr konnte er noch Eiserne Hochzeit feiern und seinen 90. Geburtstag.

Große Verdienste hat sich Georg Wielath bei der Organisation der legendären Radrennen „Rund um die Kuppelnau“ erworben, an denen sein Schwiegersohn, der bekannte Ravensburger Straßenfahrer Bruno Hänle teilnahm, den er nach Kräften forderte und förderte. Hänle war es bekanntlich nicht vergönnt, an den Olympischen Spielen 1980 in Moskau teilzunehmen, weil die Spiele aus politischen Gründen vom Westen boykottiert wurden.

Auch an der Organisation des spektakulären Ravensburger Altstadtkriteriums, bei dem neben Hänle auch Jan Ulrich und andere Radsportgrößen an den Start gingen, hat sich der Verstorbene zusammen mit seinem Nachfolger, dem Vorsitzenden Franz Ruderer und seinem Sohn Michael Wielath (Pressewart im Radfahrerverein), noch beteiligt. Immer um Ausgleich im Verein bemüht, hilfsbereit und verlässlich, hinterlässt er eine große Lücke, versichert Vorsitzender Ruderer. „Wer ihn kannte, der weiß, wen wir mit ihm verloren haben.“

(SZ 16.12.2020 / Günther Peitz)